Else Lasker-Schüler: Ein alter Tibetteppich, Ein Liebeslied
Ingeborg Bachmann: Erklär mir, Liebe


WORTSCHATZ

Ein alter Tibetteppich

der Tibet: fernöstliches Land, Orient
der Teppich = rug
verwirkt = woven in
der Strahl = ray
himmellang: eine Wortschöpfung von Else Lasker-Schüler
umwerben = to court
die Kostbarkeit = something precious
maschentausendabertausendweit: eine Wortschöpfung von Else Lasker-Schüler (die Masche = loop in a carpet)
der Moschus = musk
die Wange (Wang) = cheek
knüpfen = to knot, make a carpet

Ein Liebeslied

verschlungen = entangled
ringen, rang, gerungen = to wrestle
die Immortelle = a flower, word also contains the idea of “unsterblich” = immortal

Erklär mir, Liebe

schweben = to hover
sich einverleiben = to incorporate
zugrundegehen = to perish
der Pfau = peacock
Rad schlagen = when the peacock opens up his tail feathers
der Entrich = male duck
erweichen = to soften, here: to touch emotionally
ein Ausdruck: “es ist zum Steine erweichen” = something that is emotionally touching, often very sad, calling for sympathy
Umgang haben mit = to be in touch with, socialize with
der Feuersalamander = fire-salamander

LESEFRAGEN

Ein alter Tibetteppich

1. Lasker-Schüler verwendet einen orientalischen Teppich als Metapher für das ganze Gedicht. Warum verwendet sie wohl diese ungewöhnliche Metapher als Bild für die dargestellte Liebe und Erotik? Und welche Einzelaspekte des Teppichs macht sie für das Gedicht fruchtbar (suchen Sie nach Ausdrücken, die mit dem Teppich zu tun haben)?

2. Was trägt der orientalische Kontext bei zur Darstellung der Sexualität? Welche Aspekte des Orientalischen nimmt Lasker-Schüler auf (suchen Sie wieder die entsprechenden Wörter und Ausdrücke)?

3. Lasker-Schüler ist sehr kreativ mit der Sprache, sie schafft ihre eigenen Ausdrücke und Wortverbindungen. Finden Sie sie zuerst (machen Sie eine Liste!), und erklären Sie dann ein bisschen, welchen Effekt diese neuen Wortschöpfungen haben, und was sie zum Thema des Gedichts beitragen.


Ein Liebeslied

1. Was ist das Thema dieses Gedichts, wer spricht, zu wem, worüber? Wie ist die reale Situation der Sprecherin, und was wünscht sie sich?

2. Es gibt in diesem Gedicht zwei Metaphernkomplexe, die Lasker-Schüler im Wortschatz aufbaut: Naturmetaphern und Kosmosmetaphern. Machen Sie eine Liste der Ausdrücke, die zu jedem Komplex gehören! Was trägt jeder Komplex be zur Gestaltung des Themas, d.h. warum verwendet Lasker-Schüler diese Metahphernkomplexe?

3. Diesmal gibt es nur drei neue Wortschöpfungen. Finden und erklären Sie sie!

4. Für beide Gedichte: Wie stellt Lasker-Schüler Liebe und Sex dar?


Erklär mir, Liebe

1. Was beschreibt Bachmann in der ersten Strophe, was ist da ihr Thema? Wer ist das “du”? Wie fühlt sich diese Person, was macht sie, wo ist sie?

2. Was ist das Thema in den Strophen 2 – 4 und der nächsten Zeile (von “Der Pfau” bis “erweichen”!)? Warum die vielen Tiere, Pflanzen und sogar Wasser und Steine am Schluss? Was tun sie alle? Was erreicht Bachmann damit, dass sie all diese Szenen beschreibt, was ist der Effekt auf den Leser?

3. Der Schlussteil ist dann ganz anders, die Dichterin reflektiert jetzt und fordert “Erklär mir Liebe, was ich nicht erklären kann: …” Was sind Ihre Fragen, was will die Sprecherin erklärt haben? Und warum sagt sie dann plötzlich “Erklär mir nichts”? Was bedeutet die letzte Metapher vom Salamander, der durchs Feuer geht und nichts schmerzt ihn?

4. Wie stellt Bachmann die Liebe dar in diesem Gedicht? Was ist die Liebe für sie, welche Aspekte der Liebe beschreibt sie mit diesem ungewöhnlichen Gedicht? Ist es überhaupt ein Liebesgedicht?