FLG
390 / GERMAN 3540
Deutsche
Schriftstellerinnen des 19. und 20. Jahrhunderts
Dr. Helga G. Braunbeck und
Dr. Birgit Jensen
Herbst 2003
Modellanalysen
Annette von Droste-Hülshoff: "Am Turme"
Vokabelhilfe
[Grammatical observation: In the beginning and at the end of her poem (thus bracketing her musings), Droste-Hülshoff uses a lot of obsolete endings for masculine/neuter nouns in the dative case: am Turme = am Turm; auf hohem Balkone = auf hohem Balkon; vom schreienden Stare = vom schreienden Stare; im flatternden Haare = im flatternden Haar; einem artigen Kinde = einem artigen Kind; im Winde = im Wind. What might this archaic speech signify?]
der Star: starling [a bird]
die Mänade: drunk woman from Greek antiquity
wühlen: to dig wildly
der Geselle: young man
der Fant: immature young man
umschlingen: to hug
die Sehne: sinew
ringen: to wrestle
die Dogge: Great Dane [dog]
sich tummeln: to cavort
das Geklaff: barking
alsbald: at once
die Beute: booty
das Wimpel: flag
keck: bold, brash
die Warte: the look-out tower
ergreifen: grasp
zischend: fizzing
das Riff: the reef
die Flur: the meadow
artig: well-behaved
lösen: to loosen
Lesefragen
1) Was versucht die Autorin zu sagen?
2) Droste-Hülshoff benutzt viele Bilder. Was drücken diese Bilder
symbolisch aus [ausdrücken: to express]? Zum Beispiel: Was symbolisiert
der Sturm in der ersten Strophe [stanza]? Aus welchen drei Lebensbereichen [areas
of life] kommen diese symbolischen Aktivitäten in den ersten drei Strophen?
3) Welchen Ton benutzt die Autorin? Spricht ihre Erzählerin in einem passiven
oder aktiven, sarkastischen oder amüsierten oder leidenschaftlichen [passionate]
oder traurigen Ton?
4) Erste Strophe: Wo befindet sich die Erzählerin [sich befinden: to be
located]? Welches Klischee [cliché: a trite or stereotyped expression]
verbinden wir oft mit diesem Standplatz? Ist es wichtig, dass Droste-Hülshoff
diesen Standplatz für ihre Erzählerin gewählt hat? Warum oder
warum nicht?
5) Letzte Strophe: Was symbolisiert der Himmel? Warum würde er ihr raten
[advise her], wenn sie ein Mann wäre?
6) Letzte Strophe: Womit vergleicht [compares] sich die Erzählerin? Wie
muss sie sich verhalten [to conduct herself]?
7) Letzte Strophe: Was symbolisiert das gelöste Haar der Erzählerin?
8) Spricht die Erzählerin nur für sich oder für eine ganze Gruppe?
Irmtraud Morgner: “Kaffee verkehrt”
Wortschatz
verkehrt – reversed, not right,
wrong
Kaffee verkehrt – Kaffee mit mehr Milch als Kaffee
die Frauenbrigade – in the GDR (DDR): a work team made up of women
das Espresso – ein Café
der Alex – der Alexanderplatz in Berlin
der Kapuziener – deutsches Wort für Cappuccino
das Etablissement = hier: das Café
wohltun – to please
pfeiffen – to whistle
die Tonleiter rauf und runter – a scale up and down
“Donnerwetter” – expression of admiration
der Taillenumfang – waistline
schätzen – to estimate
abzeichnen – here: to make stand out
die Hagerkeit – lankiness, gauntness
schmal – narrow
die Schädelform – form of the skull
rausragende Ohren – ears that stick out
stumpfes Haar – dull hair
hinterweltlerischer Friseur – a hairdresser not in touch with the world
(of fashion)
die Perücke – wig
der Hemdkragen – shirt collar
die schlechte Haltung – poor posture
raten, riet, hat geraten – to advise
der Rudersport – rowing
das Lokal – das Restaurant, das Café
servieren lassen – to have someone served
zuprosten – to toast
die Bedienung – waitress
das Versehen – mistake, error
anlasten – to pin something on someone
von irgendwoher – from somewhere
aufnötigen – to force upon
drücken – to press
die Lage – here: round (of drinks)
drohen – to threaten
die Vergeltung – revenge
die Beleidigung – insult
eintreten – to happen
kurzweilig – entertaining
wortlos – speechless
zufällig – by chance
die Hinterbacke – buttock
prüfen – to test
die Gewebestruktur – structure of the tissue
der Mangel – lack
feststellen – to ascertain, find
etwas vorhaben – to have plans
die Anstrengung – effort
zunehmend – increasingly
zeichnen – here: to mark
verzerren – to distort
die Verblüffung – astonishment
lösen – to dissolve
die Zunge – tongue, speech
unerhörte – unheard of, highly unusual
die Umgangsformen – social manners
gewöhnlich – common, usual
etwas gewöhnt sein – to be used to something
Lesefragen
Zum Inhalt
1. Was passiert in dieser Geschichte? (wo spielt sie, wer sind die Charaktere, was tun diese Charaktere?)
2. Wie reagieren die Frauen, als der Mann eintritt? Worüber unterhalten sie sich?
3. Wie beschreiben die Frauen den Mann, welche Dinge erwähnen sie? Beschreiben sie den Mann objektiv oder subjektiv? Bewerten sie das Aussehen des Mannes? Wie bewerten sie es?
4. Warum müssen die Frauen laut sprechen?
5. Was macht die Ich-Erzählerin als nächstes? Beschreiben Sie ihre nächsten Handlungen!
6. Wie reagiert der Herr auf das Verhalten der Ich-Erzählerin?
7. Warum berührt die Frau die Hinterbacke des Mannes, was bedeutet so eine Geste?
8. Was sagt der vorher wortlose Mann am Schluss und wie reagiert die Ich-Erzählerin?
Zur Interpretation
9. Ist die Geschichte lustig, komisch, traurig, seltsam, …? Warum?
10. Was ist hier “verkehrt”?
11. Wie wirkt die Geschichte auf die Leser und wie wirkt der Schlusssatz? Was merken die Leser, wenn sie dann den Schlusssatz lesen?
12. Was zeigt Morgner mit dieser Geschichte? Was sagt sie aus über das geschlechtsspezifische Rollenverhalten und unsere Erwartungen in der Gesellschaft?
13. Was hat sich seit dem 19. Jahrhundert für die Frauen geändert (wenn Sie diesen Text mit dem von Droste-Hülshoff vergleichen)? Und was hat sich nicht geändert?