Zusammenfassende Interpretation
Schwangerschaft
Clara Müller: “Das Weib”
• Es ist eine biologische Tatsache [fact], daß Frauen Kinder gebären.
• Die soziale und kulturelle Auslegung [interpretation] dieser Tatsache
ist jedoch historisch verschieden. Man kann Schwangerschaft und Geburt als etwas
Negatives (Schmerz, Sünde) oder etwas Positives (ein Segen, Neuanfang)
auffassen.
• Müller deutet darauf hin, daß man/frau die alte religiöse
Interpretation “Geburt = (biblischer) Fluch” in ihr Gegenteil [opposite]
verkehren kann: eine Geburt kann auch eine Chance sein, eine neue Generation
zu schaffen (Für Müller, eine Sozialistin, wäre diese neue Gesellschaftlich
eine bessere Welt für die Arbeiterklasse).
• Müller kritisiert in diesem Gedicht die religiöse Symbolik
als patriarchal. Sie besetzt das Bild von Christus am Kreuz mit einer gebärenden
Frau; sie zeigt Christus als ohnmächtigen [here: powerless] Dulder, der
den Frauen auch nicht helfen kann.
• Der letzte Satz: “Nur ein Wolkenschatten geht über die Gefilde”
könnte darauf hinweisen, daß am Ende nur die Natur (Wolken, Felder,
aber auch Gebären) zählt, die wir dann neu interpretieren können
(genau wie die Frau am Kreuz zuerst die Wolke als Jesu’ Gesicht interpretierte,
bis er ihr nicht hilft).
Mutterrolle, die Rolle als Ehefrau und Hausfrau
Ada Christen: “Biedere Hausfrauen”
• Christen kontrastiert zwei Welten miteinander, die traditionell bewertete
Welt der Hausfrau und die atypische Welt der intellektuellen Kritikerin/Leserinnen.
• Beide Gruppen kämpfen um Anerkennung [recognition, affirmation].
Die Hausfrauen besitzen gesellschaftlichen Respekt dank ihrer traditionellen
Rolle (sie sind “richtige” Frauen), aber sie haben kein Selbstwertgefühl.
Die denkenden/kreativen Frauen besitzen Intellekt, bekommen aber keinen sozialen
Respekt (sie sind keine “guten Hausfrauen”).
• Frau zu sein bedeutet also, entweder sozialen Respekt oder Selbstrespekt
zu haben. Beides geht (noch) nicht. Deshalb sind die Frauen in einem ewigen
Dialog gefangen. (Dieser Dialog läuft noch heute: Stay-at-home-moms versus
career-&-family-women)
• Das Gedicht bietet keine Lösung an.
Familienbeziehungen
Emilie Mataja: “Die Kindheit – ein Paradies”
• Mataja kontrastiert zwei Familienmodelle miteinander, das bürgerliche
(= kulturell dominant) und das asoziale.
• Sie zeigt an der Gestalt Annas, daß die Erziehung (nicht die Veranlagung
[inherited traits]) ein Kind formt. Am schlimmsten hat es ein Kind, wenn auch
die Gesellschaft (repräsentiert in der Kirche und im Justizsystem) dem
hilflosen kleinen Menschen nicht hilft.
• Mataja betont [underscores] vor allem auch das Problem der illegitimen
Mädchen. Weil sie in eine bürgerliche Welt hineingeboren werden, bewertet
man sie aus bürgerlicher Sicht (selbst die eigene Mutter, die doch selbst
nicht bürgerlich handelt). Ohne eigene Schuld werden sie abgewertet und
gebären somit [thus] wiederum illegitime Kinder. Der Kreislauf geht weiter…