Ilse Aichinger: Spiegelgeschichte
Zusammenfassende Interpretation
- sozialkritische Geschichte über
das Problem, dass Frauen nur illegal abtreiben können, was zu Krankheit,
Unfruchtbarkeit und Tod führen kann
- die Geschichte berücksichtigt dabei auch die Rolle des Mannes, stellt
sie kritisch dar: er übernimmt keine Verantwortung für das Kind
- eine Geschichte, die psychologische, gesellschaftliche und moralische Probleme
darstellt
- eine experimentelle, kreative Schreibweise wird eingesetzt, die das Prinzip
der Umkehr, die aus der Spiegelreflexion entsteht, auf viele Weise fruchtbar
macht: Spiegel = immer auch Betrachtung des Ich, der Identität; chronologische
Umkehr, die Geschichte läuft sozusagen rückwärts, aber nicht
ganz, sodass eine Art Spiegel im Spiegel entsteht; auch “Speculum”
– ein Instrument des Gynäkologen; auch gespiegelt: Schicksal der
Mutter und Schicksal des abgetriebenen Kindes (blinder Spiegel repräsentiert
den Tod des Kindes und der Mutter)
- Ambiguität, Vieldeutigkeit, aufgebrochene Chronologie: dadurch wird die
Geschichte für den Leser schwierig, aber auch sehr reichhaltig; ein Meisterwerk
der Literatur.