Marie Luise Kaschnitz: “Das dicke Kind”

Zusammenfassende Interpretation

• Geschichte über das Freilegen des verschütteten Ich, die Evolution und Metamorphose in der Entwicklung zum reifen Menschen: der Zusammenbruch wird Impuls einer Wandlung, zum Anfang eines neuen Menschen

• Geschichte der Gegensätze: körperliche Idealgestalt, Anmut, Beweglichkeit, Mut und Eigenständigkeit, sowie Androgynität der Schwester als Kontrast zum dicken Kind, das Angst hat, unbeweglich, unselbständig und von anderen abhängig ist und geschlechtlich noch ein Neutrum ist

• Verwendung von Metaphern, die die Entwicklung des Kindes symbolisch darstellen: Raupe (Metamorphose), Kröte (Anspielung an den Märchenfrosch/prinz), Wasser (durchsichtig, undefiniert, dickes Kind) und Eis (feste Form = feste Identität der Schwester)

• Verwendung von Gestik, Mimik, Bewegung, um die Charaktere zu gestalten (Emotionen, Fähigkeiten): das äusserliche Körperliche spiegelt das Innere (Gefühle, Wesen) wider (als Symptom) oder auch umgekehrt: wegen der Körpergestalt ist die Entwicklung der Schwestern so verschieden

• Geschichte über eine Identitätsfindung, die sich vom Vergleich mit anderen und vom Urteil (Vorurteil) der anderen befreien muss

• auch eine Geschichte über den grossen Einfluss einer Schwester auf die weibliche Entwicklung und Selbstfindung: Identität wird nicht nur durch Abgrenzung zum anderen Geschlecht erreicht, sondern auch im Vergleich mit dem eigenen; Darstellung von Beziehungen zwischen Frauen (nicht immer nur Mann/Frau)
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