Deutsche Literatur des 20. Jahrhunderts
Dr. Helga G. Braunbeck
Arbeitsblatt und Lesehilfen 1 zu Monika Marons Stille Zeile Sechs
Arbeitsfragen
Bitte machen Sie schriftliche Notizen zu diesen Fragen, damit Sie schon Antworten formuliert haben, die Sie dann in der Klasse zur Diskussion beisteuern können. Wenn Ihnen die Frage nicht klar ist, formulieren Sie eine Frage an die Klasse oder an mich, die Ihnen helfen kann, die Aufgabe zu verstehen!
Fragen zu S. 7-88
1. Wie hat die Protagonistin Rosa Polkowski
Beerenbaum kennengelernt? Wie ist ihr erster Eindruck von ihm? Was hält
sie von alten Männern? (11-19) Warum will sie seine Biografie
raten und warum kann sie das so gut? Was wissen wir nun über Beerenbaum?
(24-31)
2. Warum will Rosa Polkowski nicht
mehr "für Geld denken"? (besonders 19-24)
3. Wie möchte Rosa ihre Zeit verbringen,
nachdem sie ihre Arbeitsstelle an der Barabasschen Forschungsstelle aufgegeben
hat? Was sind ihre drei "Projekte" und warum hat sie diese gewählt?
(35-43) Was glauben Sie, was bedeuten sie ihr?
4. Warum geht Rosa zur Beerdigung Beerenbaums
(34), und wie fühlt sie sich da (52-57)? Woran erinnert sie sich?
5. Was erfahren wir über Rosas Vater
und über ihre Kindheit? Inwiefern ist das vielleicht wichtig für
Rosas Beziehung zu Beerenbaum? (45-47, 61/62)
6. Was zeigen uns die Kneipenszene (64-81)
und die Szene zu Hause bei Rosa, mit den fünf schwarzen Sesseln und
der Cosmea (81-88)?
Zur Vorschau: Weitere und allgemeine Fragen zur Gesamtinterpretation
1. Was erfahren wir in diesem Roman über
das Klassendenken und die kommunistische Ideologie in der DDR?
2. Was ist die Funktion der Nebenfiguren
in dem Roman: a. Bruno, b. der Graf, c. Thekla Fleischer?
3. Welche Gründe gibt es dafür,
daß Rosa eine so problematische Beziehung zu Beerenbaum hat? Denken
Sie an ihre persönliche Biographie sowie auch an ideologische Kontexte.
4. Wie beschreibt die Erzählerin
ihre letzte Sitzung mit Beerenbaum? Was passiert? Was ist der Effekt?
5. Was für eine Funktion erfüllen
die vielen Körpermetaphern? Geben Sie ein paar Beispiele!
6. Wie ist der Roman erzähltechnisch
konstruiert (Chronologie) und was für eine Wirkung erzeugt das?
7. Diskutieren Sie Ernst Tollers Frage
"Muß der Handelnde schuldig werden, immer und immer? Oder, wenn er
nicht schuldig werden will, untergehen?" im Rahmen des Romans (Rosa und
auch Beerenbaum) und im Kontext von Tollers Leben (Lesen Sie den Text über
Toller, in ihrem Kopienpaket!)
Lesehilfen
Es sind hier nur einige Wörter angegeben, hauptsächlich solche, die für das Verständnis des Textes insgesamt wichtig sind. Wenn eine schwierige Passage keine Wörterangaben hat, so ist sie für das Gesamtverständnis nicht so wichtig; es gibt eine Reihe von Abschweifungen (digressions), die Sie nicht bis ins Detail verstehen müssen.
Wenn Sie viele andere Wörter nachschlagen müssen, empfehle ich die Internet-Wörterbücher, die auch schon auf dem Syllabus angegeben sind: http://dict.leo.org, und http://www.linguadict.de. Sie brauchen nur das Wort korrekt eintippen (Singular für Substantive, Infinitiv für Verben) und sehen sofort mögliche Übersetzungen.
Die Chronologie des Erzählten ist aufgebrochen, es springt vor und zurück, immer wieder, oft sehr plötzlich! Es gibt auch mehrere Handlungstränge, die immer wieder fallen gelassen und dann wieder aufgenommen werden.
7
Beerenbaum (berry tree) - der
wichtigste Charakter ausser der Protagonistin; er war ein hoher Politiker
in der DDR
der Ehrenhain honor section of the
cemetery
der Umweg detour
Pankow ein Berliner Bezirk
das Villenviertel ein Stadteil mit grossen
Häusern für reiche Leute
8
munkeln to rumor
das Gerücht rumor
die Abhöreinrichtung bug, for secretely
recording conversations in a room
9
jenseitig - otherwordly
der Aussenstehende outsider
öde - desolate
10
die Goldgräberstadt gold digger
city
erschöpft here: depleted
die Stille Zeile name of the street
der Schofför - der Chaufeur (germanized
spelling, GDR spelling?)
11
überleben to survive
sterben to die
Rosen züchten to breed roses
12
der Schritt gait
forsch auftreten to make a vigorous,
dashing appearance
der Chef boss, chief
die Untergebenen subjects
13
die Mutmaßung conjecture, speculation
der Gesprächspartner conversation
partner
der Zuhörer listener
der Übertölpelte one who has
been duped
die Geste gesture
gespannt sein to be curious
14
erschweren es schwierig machen
packen to grab
verweigern to deny, withhold
sympathisch attractive, appealing
unbeeindruckbar impossible to impress
15
die Abneigung dislike, distaste, aversion
dienende Berufsgruppen service sector
professionals
die lässige Vertraulichkeit casual
familiarity
der Widerwille antipathy, disgust
die Feindseligkeit animosity
der Ton tone of voice
die Hassgefühle feelings of hatred
16
nachäffen to imitate
zetern, schimpfen to scold, argue
das Gezänk argument
17
sich erkundigen to inquire
18
die Dienstleistung service
die Denkarbeit the work of thinking
verlangen to demand
das Misstrauen suspicion
19
der Vorsatz intention
die Schande shame
die Einsicht insight
die Barabassche Forschungsstätte
Barabas research center: dort arbeitet Rosalind, die Ich-Erzählerin,
als Historikerin
die Verwahrlosung neglect
20
die Kneipe pub
21
nachdenken für Geld to think for
money
der Sog pull
die Vorstellung idea
22
einsperren to lock in
die Gefängniszelle prison cell
das Sachgebiet area of her work, research
die Gabe des abstrakten Denkens the
gift of abstract reasoning
23
unterwerfen to subject
24
die überlegene Position superior
position
verabscheuen to dispise
das Abartige the abnormal
25
die Gesichtszüge facial features
26
stolz proud
selbstbewußt confident, sure of
oneself
willensstark strong-willed
anmaßend presumptuous
borniert - arrogant
die Verhaltensstörung behavioural
problem
raten to guess
aus kleinen Verhältnissen from
low class background
27
eitel vain
enttäuscht disappointed
28
im Vorteil sein to have an advantage
offenbaren to reveal
29
die Schreibkraft typist, secretary
der Ersatz substitute
30
antragen to offer
als Spiegel dienen to serve as a mirror
(metaphorically)
31
die Beisetzung = die Beerdigung
die Trauergemeinde group of mourners
32
das Furchtbare the horror
33
mitverschulden to be partially guilty
for
lügen, log, gelogen to tell lies
34
hochgekommene Proletarierkinder lower
class children who have risen up in society (in the communist state), often
into political positions of power
gierig greedy
35
der Graf count, ein Freund von Rosalind
36
Thekla Fleischer eine Nachbarin von
Rosalind
37
Don Giovanni Oper von Mozart
38
die Unvoreingenommenheit state of being
unbiased, unprejudiced
39
Bruno der frühere Mann von Rosalind,
jetzt ein Freund
40
verachten to despise
41
herumstümpern to bungle, botch
greifen to grasp (literally)
begreifen to grasp (metaphorically:
to understand)
der Tilgungsversuch attempt to exterminate
der Handelnde the one who acts
schuldig guilty
untergehen to vanish
42
das Verhängnis fate
die Sehnsucht longing
der Trost consolation
scheitern to fail
die Leere emptiness
43
die Untätigkeit inactivity
die Trennung separation
44
die Lächerlichkeit ridicule
47
Kritisches anmerken to be critical
48
Pappfiguren auf Schiessplätzen
cardboard figures in shooting ranges
Bergarbeiter mining worker
49/50
Leben jenseits aller Verfügbarkeit
und Pflichten life without duties
51
die Last burden
es versteht sich von selbst it is self-evident
die Tat action
52
das Einkommen earnings
der Friedhof cemetery
verabschieden to say goodbye to
54
Gaukler und Schausteller clowns and
show people
die Trauernden mourners
der Sarg coffin
schäbig shabby
der Klassenkampf marxist term for the
fight of the proletarian class against the establishment
Ida Rosalinds Tante
56
der Wurm worm
die sterblichen Überreste the remains
57
hierhergehören to belong here
58
der Wohlstand riches
der Klasseninstinkt sense of class (e.g.
of belonging to the proletariate)
59
das Hindernis obstacle
widersprechen to contradict
60
der Knirps little man, whipper-snapper,
urchin
links politisch links, kommunistisch/sozialistisch;
rechts politisch rechts, konservativ, später dann rechts wie die
Nazis
der Feind enemy
der Ekel disgust
61
die Rührseligkeit senimentality
der Genosse Parteigenosse, einer, der
auch überzeugter Sozialist/Kommunist ist
62
das hochtrabende Kauderwelsch pompous
gibberish
63
verzerren to distort
die Fratze grimace, distorted face
64
der Geist ghost
Rosalie Rosa
65
der Stammgast regular in a pub
der bürgerliche Name official name
in den Stand eines Grafen erheben to
raise to the level of a count: this could only be done in a feudal society;
in West Germany, the aristocracy is still alive and powerful, but in the
GDR, aristocratic titles are abolished; Brunos act is in defiance of communist
doctrine, an act of clandestine, private subversion (humorously)
Brünoh French pronounciation of
Bruno, to signal aristocratic standing (aristocrats speak French)
66
die Standesperson person of a certain
social standing, upper class person, aristocrat
der Graf zitiert Latein d.h. er ist
gebildet, gehört zum Bildungsbürgertum
67
das Verhältnis here: affair
68
die Beinkleider old word for trousers,
would be used in aristocratic circles
69
der Anstand decency
gebildet educated in the humanistic
sense
70
der Diener servant
72
erröten to blush
nüchtern sober
73
die Kneipenpersönlichkeit pub personality,
i.e. someone popular in the pub
die Lateiner die Gebildeten
die Nichtlateiner die Ungebildeten
74
der Kumpel buddy
berlinern Berliner Dialekt sprechen
der letzte Hort männlicher Freiheit
the last resort of male freedom
75
die Gier greed
der Stumpfsinn dullness, stupor
76
der Streit argument, fight
77
etwas Verbotenes something forbidden
der Mittäter collaborant
das eigene Denkmal in Lettern giessen
to cast your own monument in writing
79
der Rentner pensioner
gelähmt paralyzed
80
im Knast sitzen im Gefängnis sein
81
ein Westcousin ein Vetter aus Westdeutschland
82
das Viech beast
83
begraben to bury
die Cosmea a flower
spuken to haunt a place
85
verwunschen enchanted
87
der Froschlurch batrachian