FLG 323, Herbst 2002

Deutsche Literatur des 20. Jahrhunderts

Dr. Helga G. Braunbeck

Arbeitsblatt und Lesehilfen 1 zu Monika Marons Stille Zeile Sechs

Arbeitsfragen

Bitte machen Sie schriftliche Notizen zu diesen Fragen, damit Sie schon Antworten formuliert haben, die Sie dann in der Klasse zur Diskussion beisteuern können. Wenn Ihnen die Frage nicht klar ist, formulieren Sie eine Frage an die Klasse oder an mich, die Ihnen helfen kann, die Aufgabe zu verstehen!

Fragen zu S. 7-88
1. Wie hat die Protagonistin Rosa Polkowski Beerenbaum kennengelernt? Wie ist ihr erster Eindruck von ihm? Was hält sie von “alten Männern”? (11-19)  Warum will sie seine Biografie raten und warum kann sie das so gut? Was wissen wir nun über Beerenbaum? (24-31)
2. Warum will  Rosa Polkowski nicht mehr "für Geld denken"? (besonders 19-24)
3. Wie möchte Rosa ihre Zeit verbringen, nachdem sie ihre Arbeitsstelle an der Barabasschen Forschungsstelle aufgegeben hat? Was sind ihre drei "Projekte" und warum hat sie diese gewählt? (35-43) Was glauben Sie, was bedeuten sie ihr?
4. Warum geht Rosa zur Beerdigung Beerenbaums (34), und wie fühlt sie sich da (52-57)? Woran erinnert sie sich?
5. Was erfahren wir über Rosas Vater und über ihre Kindheit? Inwiefern ist das vielleicht wichtig für Rosas Beziehung zu Beerenbaum? (45-47, 61/62)
6. Was zeigen uns die Kneipenszene (64-81) und die Szene zu Hause bei Rosa, mit den fünf schwarzen Sesseln und der Cosmea (81-88)?

Zur Vorschau: Weitere und allgemeine Fragen zur Gesamtinterpretation

1. Was erfahren wir in diesem Roman über das Klassendenken und die kommunistische Ideologie in der DDR?
2. Was ist die Funktion der Nebenfiguren in dem Roman: a. Bruno, b. der Graf, c. Thekla Fleischer?
3. Welche Gründe gibt es dafür, daß Rosa eine so problematische Beziehung zu Beerenbaum hat? Denken Sie an ihre persönliche Biographie sowie auch an ideologische Kontexte.
4. Wie beschreibt die Erzählerin ihre letzte Sitzung mit Beerenbaum? Was passiert? Was ist der Effekt?
5. Was für eine Funktion erfüllen die vielen Körpermetaphern? Geben Sie ein paar Beispiele!
6. Wie ist der Roman erzähltechnisch konstruiert (Chronologie) und was für eine Wirkung erzeugt das?
7. Diskutieren Sie Ernst Tollers Frage "Muß der Handelnde schuldig werden, immer und immer? Oder, wenn er nicht schuldig werden will, untergehen?" im Rahmen des Romans (Rosa und auch Beerenbaum) und im Kontext von Tollers Leben (Lesen Sie den Text über Toller, in ihrem Kopienpaket!)

Lesehilfen

Es sind hier nur einige Wörter angegeben, hauptsächlich solche, die für das Verständnis des Textes insgesamt wichtig sind. Wenn eine schwierige Passage keine Wörterangaben hat, so ist sie für das Gesamtverständnis nicht so wichtig; es gibt eine Reihe von Abschweifungen (digressions), die Sie nicht bis ins Detail verstehen müssen.

Wenn Sie viele andere Wörter nachschlagen müssen, empfehle ich die Internet-Wörterbücher, die auch schon auf dem Syllabus angegeben sind: http://dict.leo.org, und http://www.linguadict.de. Sie brauchen nur das Wort korrekt eintippen (Singular für Substantive, Infinitiv für Verben) und sehen sofort mögliche Übersetzungen.

Die Chronologie des Erzählten ist aufgebrochen, es springt vor und zurück, immer wieder, oft sehr plötzlich! Es gibt auch mehrere Handlungstränge, die immer wieder fallen gelassen und dann wieder aufgenommen werden.

7
Beerenbaum (“berry tree”) -  der wichtigste Charakter ausser der Protagonistin; er war ein hoher Politiker in der DDR
der Ehrenhain – “honor section” of the cemetery
der Umweg – detour
Pankow – ein Berliner Bezirk
das Villenviertel – ein Stadteil mit grossen Häusern für reiche Leute

8
munkeln – to rumor
das Gerücht – rumor
die Abhöreinrichtung – bug, for secretely recording conversations in a room

9
jenseitig - otherwordly
der Aussenstehende – outsider
öde - desolate

10
die Goldgräberstadt – gold digger city
erschöpft – here: depleted
die Stille Zeile – name of the street
der Schofför - der Chaufeur (germanized spelling, GDR spelling?)

11
überleben – to survive
sterben – to die
Rosen züchten – to breed roses

12
der Schritt – gait
forsch auftreten – to make a vigorous, dashing appearance
der Chef – boss, chief
die Untergebenen – subjects

13
die Mutmaßung – conjecture, speculation
der Gesprächspartner – conversation partner
der Zuhörer – listener
der Übertölpelte – one who has been duped
die Geste – gesture
gespannt sein – to be curious

14
erschweren – es schwierig machen
packen – to grab
verweigern – to deny, withhold
sympathisch – attractive, appealing
unbeeindruckbar – impossible to impress

15
die Abneigung – dislike, distaste, aversion
dienende Berufsgruppen – service sector professionals
die lässige Vertraulichkeit – casual familiarity
der Widerwille – antipathy, disgust
die Feindseligkeit – animosity
der Ton – tone of voice
die Hassgefühle – feelings of hatred

16
nachäffen – to imitate
zetern, schimpfen – to scold, argue
das Gezänk – argument

17
sich erkundigen – to inquire

18
die Dienstleistung – service
die Denkarbeit – the work of thinking
verlangen – to demand
das Misstrauen – suspicion

19
der Vorsatz – intention
die Schande – shame
die Einsicht – insight
die Barabassche Forschungsstätte – Barabas’ research center: dort arbeitet Rosalind, die Ich-Erzählerin, als Historikerin
die Verwahrlosung – neglect

20
die Kneipe – pub

21
nachdenken für Geld –to think for money
der Sog – pull
die Vorstellung – idea

22
einsperren – to lock in
die Gefängniszelle – prison cell
das Sachgebiet – area of her work, research
die Gabe des abstrakten Denkens – the gift of abstract reasoning

23
unterwerfen – to subject

24
die überlegene Position – superior position
verabscheuen – to dispise
das Abartige – the abnormal

25
die Gesichtszüge – facial features

26
stolz – proud
selbstbewußt – confident, sure of oneself
willensstark – strong-willed
anmaßend – presumptuous
borniert - arrogant
die Verhaltensstörung – behavioural problem
raten – to guess
aus kleinen Verhältnissen – from low class background

27
eitel – vain
enttäuscht – disappointed

28
im Vorteil sein – to have an advantage
offenbaren – to reveal

29
die Schreibkraft – typist, secretary
der Ersatz – substitute

30
antragen – to offer
als Spiegel dienen – to serve as a mirror (metaphorically)

31
die Beisetzung = die Beerdigung
die Trauergemeinde – group of mourners

32
das Furchtbare – the horror

33
mitverschulden – to be partially guilty for
lügen, log, gelogen – to tell lies

34
hochgekommene Proletarierkinder – lower class children who have risen up in society (in the communist state), often into political positions of power
gierig – greedy

35
“der Graf” – “count”, ein Freund von Rosalind

36
Thekla Fleischer – eine Nachbarin von Rosalind

37
Don Giovanni – Oper von Mozart

38
die Unvoreingenommenheit – state of being unbiased, unprejudiced

39
Bruno – der frühere Mann von Rosalind, jetzt ein Freund

40
verachten – to despise

41
herumstümpern – to bungle, botch
greifen – to grasp (literally)
begreifen – to grasp (metaphorically: to understand)
der Tilgungsversuch – attempt to exterminate
der Handelnde – the one who acts
schuldig – guilty
untergehen – to vanish

42
das Verhängnis – fate
die Sehnsucht – longing
der Trost – consolation
scheitern – to fail
die Leere – emptiness

43
die Untätigkeit – inactivity
die Trennung – separation

44
die Lächerlichkeit – ridicule

47
Kritisches anmerken – to be critical

48
Pappfiguren auf Schiessplätzen – cardboard figures in shooting ranges
Bergarbeiter – mining worker

49/50
Leben jenseits aller Verfügbarkeit und Pflichten – life without duties

51
die Last – burden
es versteht sich von selbst – it is self-evident
die Tat – action

52
das Einkommen – earnings
der Friedhof – cemetery
verabschieden – to say goodbye to

54
Gaukler und Schausteller – clowns and show people
die Trauernden – mourners
der Sarg – coffin
schäbig – shabby
der Klassenkampf – marxist term for the fight of the proletarian class against the establishment
Ida – Rosalinds Tante

56
der Wurm – worm
die sterblichen Überreste – the remains

57
hierhergehören – to belong here

58
der Wohlstand – riches
der Klasseninstinkt – sense of class (e.g. of belonging to the proletariate)

59
das Hindernis – obstacle
widersprechen – to contradict

60
der Knirps – little man, whipper-snapper, urchin
links – politisch links, kommunistisch/sozialistisch; rechts – politisch rechts, konservativ, später dann rechts wie die Nazis
der Feind – enemy
der Ekel – disgust

61
die Rührseligkeit – senimentality
der Genosse – Parteigenosse, einer, der auch überzeugter Sozialist/Kommunist ist

62
das hochtrabende Kauderwelsch – pompous gibberish

63
verzerren – to distort
die Fratze – grimace, distorted face

64
der Geist – ghost
Rosalie – Rosa

65
der Stammgast – regular in a pub
der bürgerliche Name – official name
in den Stand eines Grafen erheben – to raise to the level of a count: this could only be done in a feudal society; in West Germany, the aristocracy is still alive and powerful, but in the GDR, aristocratic titles are abolished; Bruno’s act is in defiance of communist doctrine, an act of clandestine, private subversion (humorously)
Brünoh – French pronounciation of Bruno, to signal aristocratic standing (aristocrats speak French)

66
die Standesperson – person of a certain social standing, upper class person, aristocrat
der Graf zitiert Latein – d.h. er ist gebildet, gehört zum Bildungsbürgertum

67
das Verhältnis – here: affair

68
die Beinkleider – old word for trousers, would be used in aristocratic circles

69
der Anstand – decency
gebildet – educated in the humanistic sense

70
der Diener – servant

72
erröten – to blush
nüchtern – sober

73
die Kneipenpersönlichkeit – pub personality, i.e. someone popular in the pub
die Lateiner – die Gebildeten
die Nichtlateiner – die Ungebildeten

74
der Kumpel – buddy
berlinern – Berliner Dialekt sprechen
der letzte Hort männlicher Freiheit – the last resort of male freedom

75
die Gier – greed
der Stumpfsinn – dullness, stupor

76
der Streit – argument, fight

77
etwas Verbotenes – something forbidden
der Mittäter – collaborant
das eigene Denkmal in Lettern giessen – to cast your own monument in writing

79
der Rentner – pensioner
gelähmt – paralyzed

80
im Knast sitzen – im Gefängnis sein

81
ein Westcousin – ein Vetter aus Westdeutschland

82
das Viech – beast

83
begraben – to bury
die Cosmea – a flower
spuken – to haunt a place

85
verwunschen – enchanted

87
der Froschlurch – batrachian